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Lesen Sie selbst:
Viele Freiheiten, von denen der Unternehmer in der Vergangenheit profitiert hat, werden in Zukunft eingeschränkt.
Ausgangspunkt dieser Entwicklung sind die USA. Börsenexperte Jens Ehrhardt sprach bereits von Nordamerika als "USSR", für "United States Socialist Republic" (das kommunistische Russland verwendete dasselbe Kürzel). Diese Anekdote beschreibt eine Wende im Verhalten des Staates gegenüber der Wirtschaft: Waren bislang Pleiten eine Privatsache der Betroffenen, ist jetzt die Ära des so genannten Big Government wieder da. Die Hand der Politik reicht in Zukunft deutlich tiefer in den Alltag der Unternehmen hinein. Primär ist das zwar ein Thema der Banken, aber es strahlt künftig auf alle Branchen ab.
Regierungen in aller Welt haben sich den Auftrag gegeben, die Wirtschaft in Ordnung zu bringen. 700 Mrd. Dollar Steuergeld an Lehman Brothers und andere US-Banken, 35 Mrd. Euro an die Münchner Hypo Real Estate und 7 Mrd. Euro für die KfW sind nur ein Anfang. Auf der Agenda der Politik stehen jetzt dauerhaft Themen wie "mehr Transparenz schaffen" (Obama) oder "Turbulenzen dämpfen" (Steinbrück).
Bestimmte Arten von Finanzgeschäften, die Politiker für risikohaft halten, werden verboten. Das kann es Unternehmen in Zukunft erschweren, z. B. ihr eigenes Exportgeschäft mit Kurssicherungsgeschäften zu schützen, weil diese entweder verboten oder aber so bürokratisiert sind, dass sie sich nicht mehr lohnen. Seien Sie deshalb wachsam bei Ex- und Importgeschäften, die nicht in Euro abgerechnet werden.
Alle Arten von Devisenbeschränkungen und Kapitalverkehrskontrollen werden wahrscheinlicher. Schaden werden sie aber in erster Linie den exportstarken Mittelständlern sowie internationalen Konzernen und Unternehmen, die Töchter, Produktionsstätten und Joint Ventures im Nicht-Euro-Ausland unterhalten.
Selbst wenn Deutschland auf diesem Feld weniger Aktivismus entfaltet als andere Länder (USA, Frankreich, Großbritannien), sollten Sie Ihre Strategie danach ausrichten:
Viele Unternehmen stehen am Beginn einer Phase der De-Globalisierung. Internationale Beziehungen werden teurer, bürokratischer und risikoreicher, weil Sie jederzeit mit überraschenden neuen Interventionen rechnen müssen.
Es wird in Zukunft noch mehr Staatseingriffe geben. US-Wissenschaftler errechneten: In 42 zurückliegenden Krisen gab die betroffene Regierung je 16 Prozent des BIP aus, um die Krise zu beseitigen. In den USA wurden bislang aber nur 5 Prozent des BIP aufgewendet.
Warum China künftig das Zünglein an der Waage sein kann:
Wer kann bei Krisenerscheinungen mit einem starken Hebel gegensteuern? Zwei Länder kommen infrage: die USA und, überraschenderweise, China. Auf den Finanzmärkten ist das Reich der Mitte eine Großmacht, das ist eine Folge der Außenhandelsüberschüsse und der Devisenreserven. Dass die chinesischen Staatsfonds zu den mächtigsten der Welt gehören, haben sie bereits gezeigt: 2007, in der ersten Phase der Kreditkrise, versorgten die Chinesen Amerikas und Europas Banken mit frischem Geld. Dadurch gab es keine größeren Turbulenzen. Behalten Sie deshalb das Verhalten Chinas (und die Qualität seiner Beziehungen zum Westen) im Auge, wenn Sie eigene Annahmen zur zukünftigen Entwicklung von Banken, Zinsen und Finanzmärkten machen.
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